Kopfhörer in der Stadt

Kopfhörer zu tragen, verändert die Wahrnehmung. Unde häufig zum Positiven. Das kommt darauf an, wie man so gestrickt ist. Aber man wird ja schon einen Grund haben, die Dinger auf den Ohren zu haben. Die Rede ist selbstverständlich von richtigen Kopfhörern. Ohrstecker sind nicht nur unkomfortabel im Ohr, sie sehen auch noch stillos aus und schädigen das Gehör. Sicherlich, das mit dem Aussehen ist eine Geschmacksfrage, und viele Männer rasieren sich auch trocken und die Argumente dagegen sind entweder Macho-Blödsinn oder anderweitig untauglich. Aber das zeichnet Geschmacksfragen ja letztlich auch aus. Nicht der Machoblödsinn, sondern die Entwertung der argumentativen Ebene. Aber richtige Kopfhörer mit Schalen tragen auch viel besser zur Schau, worum es geht, wenn man durch die Stadt flaniert und Musik auf den Ohren hat: die Abschottung. Und man nötigt bei diesem Modell seiner Umwelt nicht seine Musik als Lärmbelästigung auf. Natürlich gibt es auch Menschen, die mit ihrer Musik gar nicht alleine sein wollen, die sich nicht abschotten wollen, aber um die kann es an dieser Stelle nicht gehen, denn das sind Menschen, denen Musik nichts bedeutet außer Beiwerk. Die haben zwar auch ein Recht auf Kopfhörer, aber wer das Sujet nicht wertschätzt, sei in diesem Zusammenhang ebenfalls ignoriert.

 

„I’ve been out walking / And I don’t do that much talking these days“ (Jackson Browne)

Der Zusammenhang zwischen Gehen und Denken ist nicht nur bei Thomas Bernhard ein zentrales Thema, und manchmal muss man sich dabei auch von seiner Umwelt akustisch abgrenzen. Außerdem fördert Musik häufig die Inspiration – Denken mit Musik und ohne ist also unterschiedlich. Und, wie der Musikmensch weiß: besonders wertvoll. Bloß sollte er darauf achten, dass er vom Straßenverkehr alles Überlebensnotwendige mitbekommt.

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