Höher, fetter, lauter?
Die Produktionen der Produzenten von Popmusik werden heutzutage immer stärker aufgeblasen, so dass sie lauter erscheinen, als sie eigentlich sein könnten. Leidtragender bei diesem Vorgehen ist der hörer, von dem die Industrie durch die Lautheitsverfahren profitiert, indem sie einen psychoakustischen Kunstgriff anwendet. Früher war es ganz einfach, da war eine Platte oder Kassette nämlich maximal so laut, wie es das Medium zuließ. Alles war drauf, keine Übersteuerung, das volle Lautstärkespektrum von laut bis leise war abgedeckt – jetzt musste bloß noch die Musik gut sein. Das reicht heute leider nicht mehr, denn die Plattenfirmen möchten natürlich so viele Einheiten wie möglich von ihren Tonträgern verkaufen, und dazu greifen sie zu einem wahrlich schmutzigen Trick. Schmutzig insofern, als das, was auf der Aufnahme drauf ist, nicht originalgetreu wiedergegeben wird, sondern verzerrt oder gestutzt wird. Ein weiterer Kollateralschaden ereignet sich hinsichtlich der emotionalen Tiefe der Musik.
Die Lautheit
Im Gegensatz zur Lautstärke, die man ja letztlich mit dem Rädchen an der Stereoanlage reguliert, bezeichnet die Lautheit die Lautstärke innerhalb eines Tracks. Verstanden? Nein? Verständlich. Man muss sich vor Augen führen, dass ein Tonträger nur bis zu einer bestimmten Lautstärke Musik akustisch abbilden kann. Was darüber hinausgeht, wird abgeschnitten oder verzerrt. Das nimmt die Plattenindustrie allerdings mittlerweile in Kauf, um mp3s und CDs besser verkaufen zu können, denn was im Verhältnis zu den anderen Liedern im Radio oder im Onlineshop laut klingt, erscheint dem Hörer im ersten Moment besser. Doch durch die Lautheitsverfahren sinkt in beschriebener Weise die Tonqualität und zusätzlich wird die Dynamik dran gegeben, da durch das Lautermachen über das Maximum hinaus die leisen Stellen genauso laut sinde wie die Refrain- und Soloparts. Gerade über Kopfhörer bemerkt man diesen qualitativen Unterschied, wenn man sich unterschiedlich gemasterte Versionen desselben Stücks anhört.